Wofür stehen wir?

Stolipinovo in Europa ist ein freiwilliger und unabhängiger gemeinnütziger Verein, der sich für die Rechte und Interessen von Migrant*innengemeinschaften aus Osteuropa in verschiedenen Teilen Deutschlands und Europas einsetzt. Die Initiative zur Gründung des Vereins ging  von einer Gruppe von Migrant*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen aus, die sich seit Jahren für die  Bekämpfung der ungleichen Behandlung von Minderheiten sowie für gerechte Arbeits- und Freizügigkeitsbedingungen innerhalb der Europäischen Union engagieren.

Unsere derzeitige Arbeit konzentriert sich hauptsächlich auf das Ruhrgebiet, insbesondere auf die Städte Duisburg und Gelsenkirchen, in denen auch die größten Gemeinschaften von Migrant*innen aus Bulgarien und Rumänien leben. In den letzten Jahren konzentrierten sich unsere Aktivitäten insbesondere auf  folgende Bereiche:

Politische Mobilisierung: 

Unterstützung und Rechtsbeistand  für  Arbeitsmigrant*innen, die in Branchen wie Reinigung, Logistik, Lebensmittelindustrie und Baugewerbe unter ausbeuterischen und gefährlichen Arbeitsbedingungen arbeiten.  Dazu gehören Demonstrationen, die Vernetzung von Betroffenen sowie Informationskampagnen zu Ausbeutung und Arbeitsunfällen.

Seit 2022 haben wir uns intensiv  mit dem Fall von Refat Süleyman befasst, einem bulgarischen Arbeiter türkischer Herkunft, der im Oktober 2022 im ThyssenKrupp Steel-Werk in Bruckhausen während der Arbeit ums Leben kam.  Im Rahmen unserer Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Reinigungsbranche initiierten wir eine Petition, die ein Ende der Beschäftigung von Subunternehmern sowie eine konsequente Aufklärung des Todes von Refat fordert. Zudem organisierten wir Demonstrationen, Proteste, Diskussionen mit Gewerkschaften und Sozialarbeiter*innen und veranstalteten Informationsveranstaltungen zu sozialen und arbeitsrechtlichen Fragen in der Europäischen Union.

Beratung und gegenseitige Unterstützung: 

Seit Oktober 2023 bieten wir eine Sozialberatung in bulgarischer, türkischer, rumänischer Sprache sowie in Romanes für Menschen in Duisburg-Marxloh und Umgebung an. Die Berater*innen des Vereins gehören selber der Migrant*innen-Community an und wurden zu den Themen Arbeits- und Sozialrechte   sowie sozialen Dienstleistungen geschult. Die Beratung ist kostenlos und die Anonymität der Hilfesuchenden wird gewahrt. 

Die Sozialberatung ist Teil einer umfassenderen politischen (Selbst-)Bildungsstrategie, die darauf abzielt, Bewusstsein für Arbeits-, Sozial- und Bürgerrechte sowie Freizügigkeitsbestimmungen zu schaffen und die Orientierung im deutschen Bürokratiedschungel zu erleichtern. Darüber hinaus soll sie zur Entwicklung gemeinsamer Organisierung und Widerstandsformen beitragen. Wir veranstalten regelmäßig Schulungen, Workshops und Diskussionsrunden zu Themen wie Arbeit, gewerkschaftliche Organisierung, Sozialhilfe, Wohnen, Polizeiwillkür und kollektive Fürsorge. Der Aufbau solidarischer Unterstützungsnetzwerke steht im Mittelpunkt unseres Verständnisses von politischer Mobilisierung und ist von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Bekämpfung struktureller Gewalt und wirtschaftlicher Ausbeutung.

Artikulation gesellschaftlicher Interessen: 

Wir setzen uns dafür ein, die Öffentlichkeit auf bestehende Politiken der Ausgrenzung und des institutionellen Rassismus aufmerksam zu machen. Diese führen zur illegalen Abschiebung ganzer Familien, dem Vorenthalten sozialer und gesundheitlicher Rechte, Zwangsräumungen, Polizeiwillkür und -gewalt bis hin zur lautstarken Erklärung lokaler Politiker*innen, dass „Armutsmigranten“ aus Bulgarien und Rumänien keinen Platz in Westeuropa haben. Wir arbeiten daran, die lokalen Behörden auf die desaströsen Folgen ihrer Politik aufmerksam zu machen und fordern eine faire, soziale und gleiche Behandlung für alle Bürger*innen.